Figurentheater Heidelberg

Die unglaubliche Suche nach einer bezahlbaren Licht- und Tonsteuerung

Ein Erfahrungsbericht vom Figurentheater Heidelberg und Puppentheater Plappermaul e.V.

Wir hatten wirklich nicht erwartet, dass es fast unmöglich sein würde, auf dem Markt eine moderne und auch für Kleinbühnen geeignete Licht- und Tonsteuerung zu finden. Aber so war es tatsächlich. Nun haben wir ein System gefunden und mitgeholfen, es auf die Bedürfnisse von Figurentheatern zuzuschneiden. Diese Errungenschaft wollen wir auch anderen Theatern zugänglich machen - es kann doch nicht sein, dass wir das einzige Figurentheater sind, das händeringend nach einer brauchbaren und bezahlbaren Licht- und Tonsteuerung sucht? Unsere Geschichte von der Suche nach einer neuen und vor allem erschwinglichen Licht- und Tonsteuerung für das Puppentheater war so abenteuerlich, dass wir uns entschlossen, darüber einen Erfahrungsbericht zu schreiben. Und so begann die Geschichte:

Wir, das Puppentheater Plappermaul, haben seit Ende 2004 unsere feste Bühne in Heidelberg. Wir sind ein gemeinnütziger Verein, alle Aktiven arbeiten und spielen ehrenamtlich. Wir erhalten leider keine öffentliche Förderung, sondern finanzieren uns ausschließlich über die eingespielten Eintrittsgelder und die Mitgliedsbeiträge. Wir bringen inzwischen pro Jahr circa 80 Vorstellungen auf die Bühne. Wir sind ein Amateurtheater, haben aber einen hohen professionellen Anspruch. Wir pflegen das Handpuppenspiel in der Guckkastenbühne, bauen Figuren und die dreidimensionalen Bühnenbilder selbst, auch unsere Stücke waren bisher alle aus eigener Feder. Unsere Licht- und Tonsteuerung, um die es in diesem Artikel geht, wird in unserer festen Bühne von einem Technik-Leitstand aus bedient, der sich im Zuschauerraum befindet. Dazu ist bei jeder Vorstellung eine einigermaßen versierte Person als Licht- und Tontechniker notwendig. Bisher sind wir damit ganz gut gefahren (auch wenn unser Lichtpult nicht alle unsere Anforderungen erfüllen konnte) und eine entsprechende Person war bisher auch immer greifbar. Allerdings kann sich ein Puppentheater, dessen Spieler von den Einnahmen leben müssen, im Gegensatz zu unserem Theater den "Luxus" eines Licht- und Tontechnikers nicht leisten.

In 2011 wollten wir erstmals eine Produktion in einer anderen Spielart realisieren. Das haben wir auch getan. Dazu haben wir den Drehbuchautor und Regisseur Stefan Mensing verpflichtet. Die Produktion sollte jedoch nicht mit Handpuppen in der Guckkastenbühne laufen, sondern uns eine andere, für uns neue Spielweise eröffnen. Das Stück von Stefan Mensing heißt "Ich bin eine Wanze - was bist du?" und hatte im November 2011 Premiere. Es ist für zwei SpielerInnen konzipiert und wird auf einer Art Tischbühne mit Tisch-Lauffiguren gespielt. Für die Umsetzung benötigten wir neben einer neuen Bühne und den Figuren auch eine komplett neue Licht- und Tontechnik. Unsere vorhandene Technik, also Scheinwerfer, Licht- und Tonpult, war nicht einsetzbar. Vor allem musste die dazu gehörende Licht- und Tonsteuerung von den beiden Spielern selbst bedienbar sein, und das auf einfache und sichere Weise per Hand- oder Fußschalter.

Natürlich sind solche Systeme bei anderen Figurentheatern längst im Einsatz, dachten wir zumindest. Wir hatten das schon selbst oft genug gesehen und nun war es an der Zeit, uns selbst ein solches System zu beschaffen. Das gestaltete sich allerdings wesentlich schwieriger als erwartet. Zunächst fragten wir bei Puppenspiel-KollegInnen nach und schauten uns deren Systeme an. Die einen schieden aus, weil die Technik schon ziemlich veraltet war; andere konnten nicht die Eigenschaften bieten, die wir uns vorstellten, z.B. insbesondere hinsichtlich der Ein- und Ausfadezeiten: meist waren max. 10 - 20 Sekunden möglich; viele der gesehenen Systeme waren "selbstgebastelte Eigenkonstruktionen", oftmals waren Licht- und Ton getrennte Systeme und mussten separat bedient werden; wieder andere kamen zunächst sehr verheißungsvoll und vielversprechend daher - die Recherche beim Hersteller ergab dann allerdings, dass es sich um teure Einzelanfertigungen handelte oder dass der Hersteller nicht mehr existierte.

Der nächste Schritt führte uns erwartungsvoll zum Fachhandel. In vielen Telefonaten haben wir mehreren Fachhändlern unseren Bedarf beschrieben und mussten feststellen, dass es für den Puppenspieler- oder Kleinbühnenbedarf kein kleines und erschwingliches System gibt. Die angebotenen Systeme gingen zum Teil in den fünfstelligen Eurobereich! Das waren Licht- und Tonanlagen für große Theater oder Konzert- und Eventveranstalter, aber nichts für unser bescheidenes Budget. Einer wollte uns eine Technik aus den sechziger Jahren verkaufen!

So blieben also nur noch die Weiten des Internets. Wer gelegentlich im Internet recherchiert, weiß wie nervenaufreibend das ist. Wir trafen wieder auf die vom Fachhandel angebotenen Lösungen und waren schon ziemlich frustriert, als wir schließlich auf der unscheinbaren Homepage von „Tabu-Datentechnik“ eines Dipl. Ing. Michael Ebner landeten. Bei dem dort angebotenen System handelte es sich um eine Licht- und Tonsteuerung auf Software-Basis mit einer Hardware-Schnittstelle, die unsere wesentlichen Anforderungen erfüllten und - wir konnten es nicht glauben - zu einem vernünftigen Preis.  Sofort nahmen wir Kontakt auf und versicherten uns der Richtigkeit des Gelesenen. Michael Ebner war sehr freundlich und hilfsbereit, erklärte uns geduldig die Funktionsweise und ließ uns wissen, dass es sich bei dem angebotenen System um eine Software handelte, die bereits vor einigen Jahren programmiert wurde. Das System war damals für das Menschentheater konzipiert bzw.  zur Steuerung von Lichteffekten in Discos oder bei kleinen Events. Es benötigte einen Bediener am Computer, der per Mausklick die nächste Szene ansteuerte.

Um das System an die Bedürfnisse des Figurentheaters anzupassen, wurde zunächst eine Computermaus so umgebaut, dass Fußtaster angeschlossen werden konnten, die die Funktion der linken und rechten Maustaste übernahmen. Diese Lösung funktionierte so lange gut, wie die Vorstellung nach Plan lief, also eine Szene nach der anderen abgerufen wurde. Sobald man von dieser Abfolge abweichen wollte – weil man sich z.B. versehentlich verklickt hatte oder weil man bei der Probe ein paar Szenen früher einsteigen wollte – kam das System jedoch an seine Grenzen. Das waren Anforderungen, für die es einfach nie konzipiert wurde, und die sich auch nicht nachträglich nachrüsten ließen.

Standard-Lichtsteuerprogramme gibt es auf dem Markt einige. Für ein Figurentheater jedoch müssen außer den Standardfunktionen noch die folgenden Funktionen erfüllt sein:

·         Das Programm muss mittels Fußtaster bedienbar sein, und zwar ohne Blick auf das Computerdisplay; auch dann, wenn man eine Fehlbedienung korrigieren oder auf ein unvorhergesehenes Ereignis reagieren muss (und „unvorhergesehe Ereignisse“ kann es während einer Vorstellung bisweilen geben, diese Erfahrungen hat jeder Puppenspieler schon gemacht).

·         Es müssen lange Einfadezeiten für das Licht möglich sein – ein Sonnenaufgang oder -untergang kann schließlich 10 Minuten oder noch länger dauern.

·         Das Programm muss Toneinspielungen ermöglichen, wobei zum einen verschiedene Toneinspielungen nacheinander, zum anderen Toneinspielungen auch gleichzeitig möglich sein müssen (Backgroundgeräusche oder –musik), die gegebenenfalls auch noch im Pegel aneinander angeglichen werden müssen.

·         Das System sollte offen genug sein, um auch externe Geräte wie eine Nebelmaschine, einen Beamer oder Pyrotechnik anzuschließen.

Nach einigem Hin und Her konnten wir Michael Ebner dazu gewinnen, die Software komplett neu zu schreiben. 

Wir sollten ihm per E-Mail eine Liste der gewünschten Funktionen und Features schicken, er würde versuchen, alles wunschgemäß umzusetzen. Wir befürchteten langsam, dass unsere Anforderungen nun doch auf eine teure Spezialanfertigung hinauslaufen würden, aber Michael Ebner versicherte uns, dass wir uns schon einig würden und sich der Mehrpreis in Grenzen halten werde. In Ermangelung anderer Alternativen ließen wir uns also auf das Geschäft ein und gaben unserem Anbieter einen Vertrauensvorschuss, den wir nicht bereut haben.

So kam es, dass Michael Ebner in Zusammenarbeit mit uns eine neue Licht- und Tonsteuerung entwickelte. Er machte sich an die Neuprogrammierung seines Programms, während wir parallel die für unsere Produktion erforderliche Hardware einkauften analoge Scheinwerfer, Dimmer, LED-Scheinwerfer, Verstärker, Lautsprecherboxen, zwei neue Funkmikrofone, ein Tonmischpult. Als Rechner ersteigerten wir über Ebay ein Panasonic Toughbook CF-18, ein Notebook aus dem Military-Bereich, das nicht nur entsprechend robust ist, sondern auch keinen lärmenden Lüfter enthält. In ganz leisen Umgebungen hört man die Festplatte etwas, ansonsten ist das Gerät geräuschlos.

Zum Glück haben wir auch technisch und handwerklich versiertes Personal, so dass wir die Komponenten selbst zusammenschließen und in entsprechende Transport-Cases einbauen konnten. Gespannt erwarteten wir das Ergebnis der Programmierungstätigkeit und den Tag, an dem Michael Ebner mit dem Prototyp seiner Software zu  uns kommen würde. Ob tatsächlich alles wie versprochen funktionieren würde? Ließ sich die unabhängig von der Steuerungssoftware erworbene Hardware problemlos ansteuern?

Dann kam der Tag der Wahrheit. Michael Ebner reiste an spielte sein System auf unser Notebook auf. Plug and Play - Die Scheinwerfer ließen sich tatsächlich von der Software ansteuern, eine Einfadezeit von mehr als zwei Stunden war möglich (so viel braucht wahrscheinlich keine Bühne...) und Tondateien konnte man auch abrufen. Wie werden jetzt aber die gewünschten Lichteinstellungen programmiert, fragten wir uns. Das erwies sich als kinderleicht: Per Maus lassen sich die für eine Szene benötigten Scheinwerfer in ihrer Helligkeit einstellen, ebenso die Einfade- und Ausfadezeit, und per Mausklick wird die Szene abgespeichert. Sie ist immer wieder abrufbar und kann z.B. auch als Basiseinstellung für die Einstellung einer anderen Szene wiederverwendet werden. Wir machten uns also an die Programmierung der Szenen für unsere neue Produktion. Das ging einfach so: Unser Drehbuch wurde komplett als Textdatei eingespielt. Dann machten wir per Maus wie oben beschrieben die erste gewünschte Lichteinstellung. Danach klickten wir an die gewünschte Stelle im Text, ein weiterer Klick auf die rechte Maustaste öffnete ein Kontextmenü. Darin wählten wir "Szene einstellen" und schwups - schon war die erste Lichtszene gespeichert! Ähnlich einfach funktioniert es mit Musikeinspielungen.

Unsere Premiere ist mit der "Prototyp-Version" bravourös gelaufen - die Steuerung hat den Live-Test bestanden und uns überzeugt. Jetzt sind wir dabei, auch unsere Guckkastenbühne auf LightControl Theater umzustellen.

Geliefert wird LightControl Theater als Bundle von Software, einem USB- auf DMX-Adapter sowie einer kleinen Box mit vier Ein- und zwei Ausgängen. An die Eingänge können Fußschalter, Funkschalter oder Ähnliches angeschlossen werden. Welche Aktion diese Schaltkontakte übernehmen, kann jeweils frei konfiguriert werden. Wir haben derzeit dort zwei Fußtaster angeschlossen, mit dem einen klicken wir uns vorwärts durch die Szenen, mit dem anderen rückwärts, wenn wir uns einmal verklickt haben sollten. Die anderen beiden Eingänge sind derzeit noch ungenutzt.

Die beiden Ausgänge beinhalten jeweils einen Schaltkontakt eines Kleinleistungsrelais, der programmgesteuert geschlossen werden kann. Ursprünglich wollten wir damit die Bedientasten eines CD-Players steuern. Da aber inzwischen quasi beliebig viele Tondateien direkt auf LightControl Theater eingespielt werden können, ist das komplett überflüssig geworden. Die beiden Ausgänge sind also derzeit ungenutzt – aber wer weiß, ob wir bei der nächsten Produktion nicht gerade diese Ausgänge brauchen.

Wer sich für LightControl Theater interessiert, kann Kontakt mit Puppentheater Plappermaul aufnehmen. Wir geben gerne Auskunft über das System und unsere Erfahrungen:

kontakt(at)puppentheater-plappermaul.de oder telefonisch unter 06221 – 45 21 77

Auf www.lightcontrol-theater.de finden Sie die technische Beschreibung von LightControl Theater und Preise.